Da liegt es nun, das Nokia C6. Anfang April noch für das zweite Quartal angekündigt, hat es nun doch länger gedauert …
Und so sehr ich mich freue, dass es ein weiteres Handy mit einer großen QWERTZ-Tastatur gibt, umso größer sind meine Zweifel an Symbian^1 aka 5th Edition.
Vor allem nachdem ich Symbian^3 auf dem Nokia N8 kennenlernte, möchte ich Symbian^1 eigentlich gar nicht mehr sehen. Ich versteh auch nicht ganz die Logik, irgendwie gibt es viel zu viele (gängige) Symbianversionen … S40, S40 Touch, S60 3rd, S60 5th, S^3 … alle in aktuellen Geräten vertreten. Was ich damit eigentlich sagen bzw fragen möchte, warum kommt ein neues Nokia nicht einfach ein paar Wochen/Monate später, dann aber gleich mit einer zweifellos besseren Version, sprich S^3?
Verarbeitung & Hardware
Die Cseries ist in Nokias Planung für die sozialen Netzwerke und die Kommunikation via SMS, Instant Messaging und eMails gedacht und preislich eher niedrig angesetzt. Anfangs hatte ich erst Bedenken, ob das zu Lasten der Verarbeitung oder der Materialien geht. Aber schon auf der re:publica 2010 machte das PreRelease einen guten Eindruck.
Und auch das fertige Serien-C6 sieht gut aus. Ok, luxuriös kommt es wegen des Plastiks nicht daher. Das Backcover ist rauh, seitlich umfasst glattes Plastik das C6, an der Oberseite sind dann nur das resistive Display und die Telefontasten. Die Tasten sind ebenfalls aus Plastik, sitzen recht fest und haben einen eher harten Druckpunkt. Auch die seitlichen Tasten für die Lautstärke und die Kamera können nicht einfach mal so aus Versehen gedrückt werden, sehr gut.
Der Slider schnappt auf und zu, nachdem man einen spürbaren Widerstand überwindet. Der Slider wackelt nicht, alles ist fest verschraubt, es klappert auch nichts. Die Spaltmaße sind – vergleicht man es mit HTC oder Sony Ericsson – stellenweise recht groß, aber gleichmäßig.
Das resistive Display ist bei normalen Situationen sehr gut lesbar, aber Sonne kennen die Ingenieure anscheinend nicht. Kaum was zu erkennen – nun gut, auch Handys von anderen Herstellern haben ähnliche Probleme, aber trotzdem unverständlich, dass man den Kunden so etwas zumutet. Dafür stimmt die Genauigkeit. Beim 5800 XM und auch N97 gabs noch nen Stylus dazu. Beim C6 ist das nicht der Fall, aber der wäre auch unnötig. Man trifft jeden noch so kleinen Link (im Browser). Und zur Not gibt es eine Bildschirmkalibrierung.
Die seitliche Taste zum Entsperren sitzt nicht so locker wie bei manchen 5800XM oder gar N97. Beim Sperren/Entsperren vibriert auch das C6 kurz zur Bestätigung. Leider ist im gesperrten Zustand das Display komplett aus, es wird noch nicht mal die Uhrzeit angezeigt, wie es endlich bei S^3 der Fall ist. Sollte nicht der große Programmieraufwand sein, das für die 5th nachzurüsten, wäre sinnvoll.
Die QWERTZ des C6 ist dagegen ein Volltreffer. Die Tasten sind groß und haben einen soften Druckpunkt, ohne zu wackeln. Nicht so hart wie die Tasten des N900 zum Beispiel. Und obwohl das (unsinnige) D-Pad viel Platz wegnimmt, hat Nokia es endlich geschafft, eine Umschalttaste auch auf der rechten Seite unterzubringen. Das, und dass man mit längerem Drücken die jeweils alternative Tastenbelegung (Fn) ohne Umwege nutzen kann, erleichtert das Schreiben ungemein.
Zwei Punkte an der Hardware gibt es aber doch noch zu bemängeln – wobei beides aber auch an der Firmware (v10) liegen kann. Zum einen gibt es entgegen der Aussagen auf der re:publica keinen TV-Out und zum anderen kann man über den microUSB-Port den Akku nicht laden. Dazu muss man den 2mm-Anschluss nutzen. Zumindest kann man das C6 so in einer Dockingstation oder Kfz-Halterung immer laden, ohne die Abdeckung des USB-Anschlusses zur Seite zu schieben.
Technische Daten
- Symbian 5th Edition
- BL-4J Akku mit 1200 mAh, (lt Hersteller) bis zu 16 Tage Standby, bis zu 7 bzw 5 Stunden Gesprächszeit (GSM/UMTS)
- 113,4 mm lang, 53 mm breit und 16,8 mm flach
- 150 Gramm leicht
- 3,2″ nHD-Display (640×360) mit 16 Millionen Farben
- bis zu 200 MB interner Speicher
- unterstützt bis zu 16 GB microSDHC
- WLAN mit bis zu 54 Mbit/s (IEEE 802.11b/g)
- Bluetooth 2.0 mit EDR
- 5 Megapixelkamera und Frontkamera für Videotelefonie
- UKW-Radio
- A-GPS, Ovi Maps mit kostenloser Navigation
- 3,5mm Klinkenstecker
- microUSB
Betriebssystem & Software
Die 5th Edition kam mit dem 5800 XM Ende 2008 auf den Markt und seitdem hat sich leider nur wenig getan. Ich lasse mich gerne korrigieren, aber ich seh kaum nennenswerte Unterschiede.
Es gibt immer noch die gleichen Bugs (Klick/Doppelklick zur Auswahl), in vielen Menüs muss man erst über Scrollleiste scrollen, ehe man auch direkt den Bildschirminhalt hoch oder runter bewegen kann. Vor allem in Servicemenüs ist das häufig der Fall. Aber auch hier kann sich mit einer späteren Firmware noch viel ändern.
Symbian selbst ist wie gewohnt übersichtlich, die wichtigsten Einstellungen sind auch für Neueinsteiger schnell zu finden. Leider gibt es nur einen Desktop, der wiederum fünf frei konfigurierbare Flächen hat. Grundsätzlich lässt sich das C6 recht gut individualisieren. Man hat von Hause aus die Wahl zwischen drei Themes (White, Dark, Light) und kann auch die Standardprogramme für das Internet, also den Browser, und auch für die Medien, frei konfigurieren. Sehr nützlich, so kann man sich nämlich den schlechten S60-Browser sparen, doch dazu später mehr.
Kamera
Zur Kamera kann zusammengefasst sagen, dass sie im guten Durchschnitt liegt, sowohl von der Bildqualität als auch vom Funktionsumfang her.
Die Kamera fokussiert recht schnell und bei genügend Kontrast auch gut. Die Fotos sind jedoch trotz ruhiger Hand oder sogar einem festen Untergrund manchmal leicht unscharf. Insgesamt dauert das Fotografieren, also Fokussieren, Erstellen des Bildes und Abspeichern, zwei bis maximal vier Sekunden.
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten zur Foto- bzw Videoaufnahme, auch hat man die Möglichkeit, die Bilder in vielen Punkten zu bearbeiten. Als da wären:
- Helligkeit
- Kontrast
- Schärfe
- Verkleinern
- Zuschneiden
- Drehen (je 90°)
- Einfügen von:
- Sprechblasen
- Illustrationen
- Text
- Rahmen
- Postereffekt
- Rote-Augen-Reduktion
- Schwarz-Weiß
- Sepia
- Negativ
Klappt alles recht gut, dauert jedoch manchmal nen Augenblick, das C6 ist mit 434 MHz nicht unbedingt das schnellste Handy …
Internet
Eine grundsätzliche Schwäche bei der Kombination Nokia und Symbian ist der Browser. Das beweist leider auch das C6 mal wieder. Ok, auch hier kann sich in späteren FW-Versionen noch viel ändern, erwähnen möchte die Fehler dennoch. Beim X6 mit v12 ist es nämlich ähnlich …
Da wäre zum Beispiel die Geschwindigkeit des Browsers. Selbst im WLAN ist manch altes Androidhandy schneller. Sogar das HTC Hero mit Android 1.5 rennt dem C6 teilweise davon. Je komplexer die Seite, umso größer ist der Vorsprung. Dazu werden viele Seiten leicht fehlerhaft dargestellt, sei es dass Grafiken am falschen Platz sind oder manch interaktive Inhalte wie Flash nur ab und zu geladen werden.
Die mangelhafte Übersichtlichkeit des Browsers möchte ich schon gar nicht mehr groß ansprechen. Er ist nicht mehr zeitgemäß. Dazu ist der Browser instabil. Selbst die Seite von Nokia bringt das System seltsamer Weise ins Wanken, so dass einige Apps reproduzierbar abstürzten, während der Browser auch manchmal “einfror”.
Hier empfiehlt sich wirklich der Einsatz eines alternativen Browsers. Nokia nutzt bei S40 (z.B. beim C3) Opera mini, wäre vielleicht eine grundsätzliche Lösung für die 3rd/5th.
Positiv ist dagegen endlich mal die Facebook-App. Während die Facebook-Widget-UI auf anderen aktuellen Nokia meist nur eine Verknüpfung zu m.facebook.com ist, gibt es auf dem C6 eine wirklich eigenständige App. Sie ist zwar nicht ganz so umfangreich wie die Androidversion und auch in der Übersichtlichkeit und Logik gibt es Punktabzug, aber sie funktioniert. Und das auch schnell und stabil.
Messaging
Dank der guten QWERTZ sind SMS und eMails, generell auch lange Texte, kein Problem mit dem Nokia C6. An den Programmen dafür hat sich nicht viel getan, klappt alles und ist übersichtlich.
Die Einrichtung eines eMail-Accounts ist mit dem Wizard auch für Laien machbar, der Client selbst verträgt auch html-eMails. Mit der Synchronisierung klappt auch alles, die eMails kann man nach mehreren Kriterien sortieren, was das Ganze sehr übersichtlich macht.
Navigation
Um es kurz zu machen. Hier funktioniert auch alles. Ovi Maps mit kostenloser, weltweiter Navigation ist mit dabei und berechnet die aktuelle Position auch offline – also ohne SIM – recht schnell.
In weniger als 30 Sekunden hat man wieder eine Orientierung. Maps ist seit der Version 3 auch übersichtlicher und generell auch schneller. Wie gesagt, im Test gab es hier keinerlei Probleme.
…
Organizer
Auch beim Kalender gibt es keine Schwierigkeiten. Das Display des C6 ist mit 3,2 Zoll groß genug, um alles übersichtlich darzustellen. Die Synchronisierung mit Outlook klappt auch.
Fotos, Musik & Videos
Der Musicplayer ist übersichtlich, zeigt natürlich auch die Cover der Singles/Alben an und bringt auch einen Klangregler mit. Es gibt voreingestellte Presets, man kann aber auch eigene hinzufügen. Der Klang über die eingebauten Lautsprecher ist jedoch kein Genuss. Laut ja, aber auch verzerrt und leicht plärrend. Gut erzogene Menschen nutzen eh Kopfhörer, damit lässt sich vieles wieder ausgleichen.
Mit anderen Handys aufgenommene 3gp und mp4 spielte das C6 ohne Probleme ab. Bei allen anderen Formaten wie Xvid, Ogg & Co gibt es ein klares Nein. Das C6 bietet auch “TV” an, das ist im Prinzip wie schon damals auf dem N95 ein Videostream, z.B. von CNN und anderen Sendern.
Neben der Fotobearbeitung gibt es beim C6 noch die Möglichkeit, eine Bildschirmpräsentation auf den Desktop zu legen. Ist nicht so schön wie die Livewallpaper bei Android, aber auf jeden Fall schöner als ein starres Hintergrundbild. Man kann die Bilder frei wählen, beim Intervall muss man jedoch wählen zwischen 1 Minute bis hin zu einem Tag.
Telefon
Womit wir dann auch bei der Kernfunktion wären. Die beiden physischen Tasten zur Anrufannahme und zum Ablehnen bzw Auflegen sind eine echte Wohltat, da man nicht wie bei manch anderen Touchhandys – egal welches OS – manchmal verzweifelt im Sonnenlicht den Button sucht … Taste drücken, fertig. Generell finde ich den stellenweisen Trend zu Touchhandys mit nur sehr wenigen Tasten sehr ärgerlich, aber das ist wohl Geschmackssache.
Der Gegenüber kommt zwar nicht sehr natürlich rüber, aber es ist noch vollkommen ok, da die Stimme ohne viel Rauschen und vor allem laut genug wiedergegeben wird. Man selbst klingt am C6 ebenso leicht künstlich, aber auch hier gibt es nur wenig Rauschen.
Das C6 versucht sich auch in der Sprachausgabe, es gab jedoch zum Testzeitraum nur das englische Sprachpaket. Wenn die deutsche Version ähnlich 80er-Jahre-Computer-like klingt, dann gute Nacht. Deutlich und verständlich ist anders, besonders wenn man z.B. im Auto unterwegs ist. Da hilft dann eh nur ein Blick aufs Display, was die Sprachausgabe damit gleich wieder fast sinnlos macht.
Der TV-Out fehlt wie schon oben erwähnt zwar, aber das C6 bringt eine Funktion mit, die meiner Meinung nach für alle Mobiltelefone Pflicht sein sollte. Es beherrscht über den 3,5mm-Anschluss die Erkennung einer induktiven Schleifeneinheit. Was wie ein Physikthema der 7. Klasse klingt, ist letztendlich ein Schritt in Richtung Barrierefreiheit und ermöglicht auch Menschen mit Hörgeräten ein Handy zu nutzen, ohne eben ein Hörgerät entfernen oder jedes Mal extra einstellen zu müssen. Nähere Informationen gibt es u.a. direkt bei Nokia.
Akku
1200mAh klingen nicht besonders langlebig, die Hardware des C6 ist jedoch recht sparsam, so dass man trotz knapp drei Stunden Telefonieren (UMTS) und etlicher Spielereien ohne weiteres drei Tage übersteht. Ein wenig ungenau ist jedoch die Anzeige des Akkus. Mag auch wieder an der FW liegen. So kam es im Test z.B. vor, dass innerhalb von wenigen Stunden plötzlich die Anzeige um drei Balken sank. Jedoch ohne Nutzung. Ähnliches hatte auch das N95 in den Version 10, 11 und 12 … abwarten.
Nutzt man auf dem Desktop die Widgets für Facebook und/oder eMail, kann man die Akkulaufzeit von drei Tagen fast schon halbieren. Auch mit WLAN holt man da nicht viel raus.
Zugegeben, ich hab mit dem C6 viel rumgespielt. GPS, Bluetooth, Sync, www, Musik uvm zehren am Akku. Mit “normaler” Nutzung sind zwei Tage nich unrealistisch, vor allem wenn man GSM statt UMTS nutzen kann.
Fazit
Die Hardware des C6 überzeugt, wenn man die Zielgruppe betrachtet. Leider gibt die 5th Edition immer wieder Anlass zum Kopfschütteln. Es ist absolut unverständlich, dass die Symbian Foundation nicht wenigstens die gröbsten Fehler ausbessert. Man muss immer erst Monate warten, bis einiges über FW-Updates gelöst wird.
Dazu gibt es Schwächen beim Browser, die nicht das erste Mal vorkommen. Das X6 hatte die gleichen Macken, unbekannt sind die Probleme definitiv nicht bei Nokia …
Das Nokia C6 ist schon teilweise für unter 250 Euro gelistet, jedoch noch nicht großartig verfügbar. Das ändert sich die nächsten Wochen, in der Gegend von 200 Euro wird das C6 sehr interessant. Kostenlose Navigation und eine ordentliche QWERTZ können durchaus Argumente sein, wenn man kein reines Touchhandy haben möchte.















































































August 23rd, 2010 at 09:00
Test: Nokia C6-00 http://www.hardworkingbee.com/2010/08/23...
August 23rd, 2010 at 12:05
Sehr schöner Test ;-)
September 6th, 2010 at 16:45
Kann man eigentlich den Zeichensatz der Digitaluhr ändern? In der Anleitung ist ja ein anderer abgebildet?
September 30th, 2010 at 21:12
das war mal ein Bericht der einem echt weiterhilft. Vielen Dank
Oktober 7th, 2010 at 21:46
S40 klingt zwar ähnlich wie S60 und sieht auf den ersten Blick auch fast so aus, ist aber kein auf EPOC basierendes Symbian Betriebssystem.
Auch am Doppelklick wird sich bei S60 5th bestimmt nichts mehr ändern. Nach zwei Jahren Kritik an dem Feature muss man damit leben. Die letzte größere Weiterentwicklung war Kinetic Scrollng.
Oktober 21st, 2010 at 15:51
Hi ich habe seit ca 1. Woche das Handy Nokia c6 und bin total genervt, weil mein Akku sich schon nach ca 1. Tag verabschiedet. Ich telefoniere sehr wenig und schalte das Handy fuer die Nacht aus.) Bis staendig am laden und das frustriert.BITTE kann mir jemand helfen woran das liegen kann. Lg Agnes :)
Oktober 21st, 2010 at 15:57
Hast du vielleicht irgendwelche Online-Verbindungen aktiv? Siehst du links oder rechts oben an den entsprechenden Symbolen für W-Lan oder UMTS/GPRS/etc.
Sonst müsste das Handy bei deiner seltenen Benutzung sicher 2 Tage oder mehr durchhalten.
Nachts auf Offline schalten reicht übrigens auch. Spart Zeit und Akku beim einschalten des Gerätes, da du nur wieder auf "Allgemein" oder eben dein gewünschtes Profil schalten musst.
Grüßle
Mike
Oktober 21st, 2010 at 18:55
Ich stimme Mike überein, da scheint irgendwas bei deinem C6 im Hintergrund aktiv zu sein … Selbst ein helles Display zieht nicht soviel Strom.
"Unser" C6-00 hielt einen ganzen Tag (5Uhr-23Uhr) bei ständiger Nutzung (UMTS-Netz, viel im Internet) und etlichen Telefonaten.